Ein entzündeter Zahn nach einer Wurzelbehandlung ist für viele Patient:innen ein Schockmoment – oft verbunden mit der Sorge, den Zahn nun endgültig zu verlieren. Bevor wir jedoch über eine Extraktion sprechen, prüfen wir immer zuerst: Lässt sich der Zahn noch erhalten? In vielen Fällen lautet die Antwort ja, und die Wurzelspitzenresektion ist genau das Mittel, das diese Erhaltung möglich macht.
Bei einer Wurzelspitzenresektion wird die entzündete Wurzelspitze operativ freigelegt und minimal gekürzt, das entzündete Gewebe entfernt und die Wurzelspitze anschließend rückwärts versiegelt. Der Zahn selbst bleibt erhalten – nur die problematische Spitze, über die sich Bakterien in den Kieferknochen ausbreiten konnten, wird entfernt. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung und dauert je nach Ausgangslage 30 bis 60 Minuten.
Typischerweise kommt der Eingriff infrage, wenn eine vorangegangene Wurzelbehandlung nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat und sich am Zahn erneut eine Entzündung zeigt, die konventionell nicht mehr behandelbar ist. Auch bei anatomischen Besonderheiten des Wurzelkanalsystems, die eine erneute Wurzelbehandlung von innen erschweren, ist die Resektion oft die bessere Option.
Die Erfolgsquote einer Wurzelspitzenresektion hängt stark vom Einzelfall ab – von der Zahnposition über die Größe der Entzündung bis zur allgemeinen Mundgesundheit. Mit moderner 3D-Diagnostik und mikrochirurgischen Techniken lassen sich heute deutlich bessere Ergebnisse erzielen als noch vor einigen Jahren. Eine seriöse Prognose können wir jedoch immer erst nach individueller Untersuchung und Bildgebung geben – pauschale Erfolgsversprechen sind bei diesem Thema nicht seriös.
Sollte der Zahnerhalt trotz Wurzelspitzenresektion nicht gelingen, stehen im Anschluss weitere Optionen wie ein Keramikimplantat zur Verfügung. Aber genau deshalb lohnt sich der erste Versuch: Der eigene Zahn lässt sich durch nichts vollständig ersetzen, und jede Chance auf Erhalt ist es wert, geprüft zu werden.
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